TAIJIQUAN

Der Name Taijiquan setzt sich aus den chinesischen Schriftzeichen Taiji und Quan zusammen. Das Zeichen Taiji kann als der große Balken übersetzt werden – jener Firstbalken, der nach alter Überlieferung den Himmel
über der Erde stützt.
In diesem mythologischen Bild ist Taijii der Urkeim des Lebens, der Himmel und Erde im Innersten zusammenhält.

Taiji ist der Ursprung von Bewegung und Ruhe.
Taiji ist das Große Eine.
Taiji ist die Mutter von Yin und Yang.
Taiji bedeutet in philosophischer Hinsicht das erhabene Letzte, das höchste Prinzip.

Das Schriftzeichen Quan heißt übersetzt die Faust.
Taijiquan kann daher mit „höchster, erhabener Kampfkunst“ übersetzt werden.

TAIJI-ANFÄNGERKURSE


Für Einsteiger bietet das Taozentrum regelmäßig neue Anfängerkurse an.
Diese Anfängerkurse umfassen ein Training mit zehn Terminen à eine Stunde Unterricht.
Ein Anfängerkurs kostet 150 Euro.

Hier finden Sie die aktuellen Termine: Taiji-Anfängerkurse

Wenn Sie einen Anfängerkurs absolviert haben und anschließend die Bewegungskunst Taijiquan weiterlernen möchten, gibt es für Sie die Möglichkeit, einen Vertrag mit dem Taozentrum abzuschließen und monatlich zu zahlen.
Hier finden Sie die aktuellen Preise: Preise

Falls gerade kein Anfängerkurs im aktuellen Angebot dabei ist, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren, um einen Schnuppertermin zu vereinbaren.

WELCHER TAIJI-STIL?


Wir unterrichten im Taozentrum die lange Form des Yang-Stils mit 88 Bildern.
Diese Form unterteilt sich in drei Teile: den ersten Teil („Erde“), den zweiten („Himmel“) und den dritten Teil („Mensch“).

Der Stammbaum
Im Laufe der Jahrhunderte haben sich verschiedene Varianten des Yang-Stils entwickelt. Unser Stil geht ursprünglich auf Meister Chu King Hung aus London zurück, der die fünfte Generation repräsentiert.
Diese Variante des Yang-Stils wird auch Kranich-Stil genannt (im Unterschied zum Tiger-Stil).
Der Kranich-Stil hat den Vorteil, dass man ihn in jedem Alter erlernen kann, ohne athletisch oder besonders sportlich zu sein.

Mein Taijiquan-Weg

1992 habe ich in Berlin bei  Monika Mewes mit Taijiquan angefangen. Nach meinem Umzug ins Rhein-Main-Gebiet lernte ich dann ab 1993 für sechs Jahre bei Volker Jung in Wiesbaden weiter. Bei ihm absolvierte ich auch die erste Ausbildung als Lehrer für Taijiquan.
1998 bin ich dem Meister „George“ Xu Guo Ming aus San Francisco begegnet, bei dem ich seitdem lerne: Taiji-Prinzipien, Kampf-Anwendungen und Selbstverteidigung, Pushhands, Chen-Stil, Schwert, Säbel, Hsing I und Qigong.
George Xu brachte regelmäßig Kampfkunst-Meister aus seiner Heimatstadt Shanghai mit nach Deutschland: Wei Lun Huang (Yang-Stil, Schwert, Liu He Ba Fa und Tao Yin), Ye Xiao Long (Yang-Stil, Lan Shou, Powerstretching), Wang Hao Da (Wu-Stil, Pushhands, Langlebigkeit-Übungen) und Wang Zhi Xiang (Yang- und Wu-Stil, Akupressur, Qigong).
Doch dem Yang-Stil bin ich über die Jahre treu geblieben und unterrichte ihn kontinuierlich seit 1997.

DIE FORM


Im Mittelpunkt des Taijiquan steht das Erlernen und Praktizieren der Form. Die Form ist eine Abfolge von festgelegten Bewegungen, die im Yang-Stil in einem langsamen, gleichmäßigen Tempo ausgeführt werden. Jeder Taiji-Stil hat seine charakteristische Formen. Es gibt Kurzformen mit nur wenigen Bewegungsbildern (die bekannteste ist die so genannte Peking-Form mit 24 Bewegungsbildern) und Langformen, deren Ausführung über 20 Minuten dauert.

Die lange Form des traditionellen Yang-Stils umfasst 88 Bewegungsbilder. Sie wird unterteilt in:

Form 1

symbolisiert die Erde. Die Basis wird geschaffen. Neben dem Erlernen des Formablaufs geht es um den aufrechten und stabilen Stand.

Form 2

symbolisiert den Himmel. Ausgehend von dem im ersten Formteil entwickelten guten Stand wird jetzt der Schwerpunkt mehr auf die Armbewegungen und das Ausrichten des Körpers Richtung Himmel gelegt. Außerdem kommen Fußtritte hinzu. Die Bewegungsabläufe sind insgesamt weiter und offener.

Form 3

symbolisiert den Menschen. Nach taoistischer Philosophie ist ein selbstverwirklichter Mensch, wer die Füße fest in der Erde verwurzelt hat und den Kopf frei, hoch in die Wolken erhebt. Einige Bewegungen sind daher hoch, ausdehnend, während andere sehr tief, nah an der Erde ausgeführt werden.

STUFEN IM TAIJIQUAN


Man kann Taijiquan in drei Stufen unterteilen, ähnlich wie bei unserem Schulsystem.

Zuerst geht es um den Körper, um die Aufrichtung und das Loslassen. In dieser Stufe lernt man den Formablauf.
Das entspricht der Grundschule: Die Körper-Ebene.

In der zweiten Stufe rückt das Qi, die innere Energie in den Mittelpunkt. Das ist die weiterführende Schule: Die Qi-Ebene.

In der dritten Stufe steht der Geist, die Absicht, im Zentrum des Trainings. Das entspricht dem Studium, dem Universitätslevel: Die Geist-Ebene.

TAIJIQUAN-PARTNERÜBUNGEN


Im traditionellen Yang-Stil werden die folgenden Partnerübungen unterschieden:
1. Tui Shou
(auch Pushhands genannt)
Hier gibt es eine ganze Reihe an Übungsfolgen. Allen gemeinsam ist, dass sie ohne Beinbewegungen ausgeführt werden, d.h. nur die Gewichtsverlagerung und Drehung des eigenen Zentrums sind zugelassen.

Single-Pushhands
Double-Pushhands
On-Pushhands
Flat-Circle-Pushhands
Four Corner-Pushhands
Verschiedene Drei-Kreise-Pushhands (Wachturm, Bella-Donna, Scheibenwischer)

2. Ta Lu

(„das Grosse Ziehen”) Partnerübung mit Beinbewegungen

3. Fighting-Form

(auch Kontakt-Form genannt), die Bewegungen der Form 1 als Partner-Übung. Hier können Sie einen Ausschnitt anschauen: Fighting-Form

4. San Shou

Eine komplexe Zwei-Personen-Form mit über 80 Bewegungen, vielen Schlägen, Tritten, Hebeln. Das realistischste Taiji-Training für eine Kampfsituation.

WAFFENFORMEN


Das Waffentraining war in früheren Generationen wichtiger Bestandteil der klassischen Taiji-Ausbildung und hat auch in der heutigen Zeit immer noch seinen Reiz. Das Üben mit Waffen schult das Raumbewusstsein und die geistige Vorstellungskraft. In der waffenlosen Form lenkt man das Qi durch seinen Körper. In den Waffenformen lernt man zusätzlich, sein Qi aus dem eigenen Körper zu projizieren und bis in die Spitze der Übungswaffe zu lenken, um diese nur mit Qi zu bewegen (statt mit Muskelkraft). Dadurch wird der Qi-Fluss im Körper enorm verbessert. Auch die Körperstatik wird anders trainiert als im waffenlosen Taiji. Jede Waffe hat ein gewisses Gewicht, das mal weiter mal näher am Körper vorbeigeführt wird. Um diese Unwucht auszugleichen, muss man seine innere Statik neu definieren und flexibel jeder neuen Situation anpassen lernen.

Die klassischen Waffen des Taiji sind das zweischneidige Schwert („Jian” genannt), der einschneidige Säbel („Dao”), der Langstock („Gun”) und der Speer („Hong Jing Qian”). Darüber hinaus gibt es noch den Fächer, der in alten Zeiten die Waffe der adligen Dame war.

Für jede Waffe gibt es bestimmte Vorübungen und mindestens eine Waffenform. Die Vorübungen trainieren die notwendigen Muskeln, um die Waffe ruhig und entspannt führen zu können.

Ein alter Taiji-Meister beschrieb den Übungsweg folgendermaßen:
„Ein Schüler braucht ungefähr 10.000 Stunden, um ein Schwert sicher zu führen, 1.000 Stunden für den Säbel und 100 Stunden für den Langstock.”

FAMILIEN-STILE


Es gibt fünf klassische Taiji-Stile, benannt nach dem jeweiligen Namen der Familie, die diesen Stil über viele Generationen praktiziert und weiter entwickelt hat: Chen-, Yang-, Wu-, Sun- und Hao-Stil.

Das älteste überlieferte Taijiquan ist der Chen-Familienstil. Er wurde von Chen Wang Ting (1597 – 1664) im 17. Jahrhundert entwickelt. Seine bis in die Gegenwart erhalten gebliebene Besonderheit sind die unterschiedlichen Geschwindigkeiten, mit denen die Chen-Form ausgeführt wird. Eine weitere Spezialität des Chen-Stils ist das Trainieren der Explosivkraft.

Yang Lu-Chan (1799-1872) gilt als Begründer des Yang-Familienstils. Er erlernte in seiner Jugend den Chen-Stil. Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelte er einen eigenen Taiji-Stil, der seither Ausgangspunkt des Yang-Stils ist. Sein Enkel, Yang Cheng Fu (1883 – 1936), gilt als einer der berühmtesten Taiji-Meister des 20. Jahrhunderts. Er erarbeitete die dem Yang-Stil eigenen Charakteristika.

Einer der Schüler von Yang Lu-Chan war Wu Chuan You (1834 – 1902), der Begründer des Wu-Familienstils.

Sun Lutang (1860 – 1932) war der Gründer des Sun-Familienstils, dessen Tochter Sun Jianyun die heutige Linienhalterin ist.

Hao Weizheng (1849 – 1920) gilt als Begründer des Hao-Familienstils.

TAIJIQUAN / TAI CHI CHUAN


Welche Schreibweise ist nun richtig?
Die beiden unterschiedlichen Schreibweisen ergeben sich aus zwei gängigen Transkriptionssystemen. Um die chinesische in die deutsche Sprache zu übersetzen, versucht die jeweilige Umschrift, Laute nachzubilden, die in der deutschen Sprache nicht vorhanden ist.
Lange Zeit wurde in Europa die Wades-Giles-Umschrift benutzt. Man findet sie auch häufig in den meisten Tai Chi- bzw. Qigong-Büchern. Nach dieser Umschrift schreibt sich das beliebte Schattenboxen eben TAI CHI CHUAN.
Nach der phonetischen Pinyin-Umschrift, die in den 50er Jahren in der Volksrepublik China offiziell eingeführt wurde, schreibt es sich folglich TAIJIQUAN.

Ähnliche Verwirrung könnte es im Qi Gong geben. Dort finden wir ebenfalls verschiedene Schreibweisen: Chi Kung, Chi Gong, Qi Gong oder Qigong – auch hier ist immer die gleiche Heil- und Bewegungskunst aus dem alten China gemeint.

DIE LEGENDE


Chang San Feng gilt als der legendäre Begründer des Taijiquan.

Er lebte möglicherweise in der Zeit der Sung-Dynastie (1127 – 1279), andere Quellen sprechen vom 9. Jhd. v. Chr. Sein Name bedeutet „der wahre Mensch aus der Höhle” oder sinngemäß der „vollkommene Weise”. Er war taoistischer Mönch im Kloster der weißen Wolke auf dem Wudan-Berg und ein bekannter Meister des Kung Fu.

Der Legende nach beobachtete er einmal einen Kampf zwischen einem Kranich und einer Schlange. Der Kranich verteilte kräftige Fußtritte und Schnabelhiebe, während er sich mit kreisenden Flügelschlägen verteidigte. Die Schlange hingegen behielt ihre Kampfstellung mit hoch über dem Rumpf erhobenen Kopf bei. Während sie den Angriffen des Kranich mit wenigen runden Bewegungen auswich, wartete sie darauf, dass sich der Gegner eine Blöße gab, um dann vorzustoßen.

Diese Beobachtung veranlasste Chan San Feng, mit einer völlig neuen Art des Kämpfen zu experimentieren. So entstand die erste „sanfte Kampfkunst”, Vorläufer des heutigen Taijiquan.

POSITIVE WIRKUNGEN DES TAIJI-TRAININGS


„Wer Taijiquan übt, wird stark wie ein Holzfäller, geschmeidig wie ein kleines Kind und gelassen wie ein Weiser.” (Chinesisches Sprichwort)
Gesundheit wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) als harmonisches Gleichgewicht aller Kräfte verstanden. Krankheiten entstehen durch eine Störung der Harmonie und der im Körper zirkulierenden Lebensenergie. Im alten China galt ein Arzt als schlechter Arzt, wenn seine Patienten krank wurden. Seine Aufgabe war es, den Energiehaushalt im Körper seines Patienten in Balance zu halten oder energetische Disharmonien auszugleichen, um Krankheiten vorzubeugen. Mit Ratschlägen zur Ernährung, mit Kräuter- und Teemischungen, mit gezielten heilgymnastischen Übungen oder – als starke Medizin – mittels Akupunktur.

Nach Auffassung der Traditionellen Chinesischen Medizin entwickelt und erhält das Taijiquan die Lebenskraft Qi des Menschen und regt es zugleich an, in den Energiebahnen freier zu zirkulieren und die Vitalität des Körpers zu erhalten. Das Taiji reguliert durch die Einflussnahme auf das Qi die verschiedenen Funktionssysteme des Organismus und fördert die Gesundheit, die geistige Klarheit und Konzentrationsfähigkeit. Es unterstützt das körperliche und psychische Gleichgewicht des Schülers. Aus diesen Gründen wird Taijiquan in China häufig mit dem Ziel der Krankheitsvorbeugung und -behandlung eingesetzt. Viele ältere Chinesen üben sich in dieser Kunst, um ihre mentale und körperliche Fitness bis ins hohe Alter zu erhalten.

Da Taiji langsam ausgeführt wird, besteht nicht die Gefahr einer Sauerstoff-Unterversorgung. Deshalb ist es für viele gut geeignet, die an chronischen Krankheiten, wie z.B. hohem Blutdruck, leiden. Die enormen positiven Wirkungen auf die Gesundheit des Schülers wurden in verschiedenen Studien und Untersuchungen in der Volksrepublik China, Taiwan und Hongkong bestätigt. Die ersten Auswirkungen des Taijis zeigen sich sehr subtil: Man fühlt sich wohl, entspannt und ausgeglichen nach den neuen Übungen. Die langsamen Bewegungen regen sein Energiesystem an, die Lebensenergie kann freier fließen. Das löst dieses emotionale Wohlbefinden aus. Auch macht sich die eigene „Lieblings-Verspannung“ weniger häufig im Alltag bemerkbar. Mit zunehmender Taiji – Praxis zeigen sich auch die ersten äußerlichen Veränderungen. Der Körper beginnt, sich „umzustrukturieren“. Die Tai Chi -Haltungsprinzipien wirken auf die gesamte Körperstatik. Die meisten Skelettmuskel, Sehnen und Bänder definieren sich neu. Die neue Beweglichkeit der Gelenke optimieren das Knochengerüst. Der Körper streckt und dehnt sich. Es ist daher nicht ungewöhnlich, wenn fortgeschrittene Schüler und Schülerinnen größer wirken, da sie aufrechter durchs Leben gehen können.

Schulter und Nacken

Im Taiji wird der Schüler angehalten, sämtliche Übungen mit entspannten Schultern auszuführen. Das fällt am Anfang besonders denjenigen Schülern schwer, die eine sitzende Tätigkeit verrichten. Der Bewegungsmangel bei diesen Menschen führt zu einem erhöhten Muskeltonus, der die Streckfähigkeit der Muskulatur einschränkt. Der Schultern-Nacken-Bereich ist fast ständig verkrampft, die Schultern leicht nach vorne ausrotiert, die Muskulatur im Brustbereich verkürzt , die Schulterblätter kaum beweglich. Taiji bearbeitet diese Körperregion sanft, aber nachhaltig. Allmählich lockern sich die Schultermuskeln und die Schultergelenke bekommen ihre ursprüngliche Beweglichkeit zurück. Damit verringern sich auch chronische Beschwerden im Nacken oder Kopfschmerzen.

Knie

Auch chronische Kniebeschwerden können durch das Taiji – Training gelindert werden. Im Taiji achtet man bewusst auf seine Kniebewegungen. Die Knie sollten sich immer über den Füßen bzw. Zehen befinden, das Hauptgewicht des Körpers wird in die Fersen geleitet. Das Kniegelenk wird in den Bewegungen so funktional eingesetzt, dass es als kraftübertragendes Gelenk arbeitet, und nicht als krafttragendes Gelenk. Die Kniescheiben bleiben entspannt, yin, während die Kniekehlen stark, yang sind. Auf diese Weise werden die Muskel, Bänder und Sehnen um die Knie immer stärker. Die Energietore in den Knien öffnen sich und chronische Kniebeschwerden können sich allmählich auflösen.

Füße

In China vergleicht man die Füße mit den Wurzeln eines Baumes. Deshalb gilt es, diese Wurzeln, die unseren Körper tragen, unbedingt zu stärken. Beim Gehen werden die Beine und Füße nicht im Ganzen beansprucht. Wir gehen nicht rückwärts, machen selten Schritte seitwärts oder drehen uns und stehen noch viel weniger auf einem Bein. Diese vernachlässigten, für die Stärkung der Beine und Füße notwendigen Bewegungen sind im Taijiquan enthalten. Auch das allmähliche Verlagern des Körpergewichts von einem Fuß auf den anderen, wobei der Fuß langsam abgerollt wird, führt bei andauernder Übung zu einer außerordentlichen Stärkung der Füße.

Wirbelsäule und unterer Rücken

Ein altes Wort in China besagt, dass alle Krankheit von der Wirbelsäule kommt. Die aufrechte Haltung gehört zum Bauplan des Menschen. Unsere Organe liegen auf engstem Raum beieinander. Bei einer schlechten Rückenhaltung werden sie zusammengepresst, reiben aneinander und nehmen so in ihrer Funktion Schaden. Taiji kräftigt die Rückenmuskulatur und hilft dem Schüler, eine aufrechte Rückenhaltung einzunehmen. Ein wichtiges Taiji – Haltungsprinzip ist das nach vorne gekippte Becken, um den unteren Rücken, die Lendenwirbelsäule zu strecken. In dieser Region sitzt nach taoistischer Auffassung der „Mingmen“, das „Tor des Lebens“. Lokalisiert zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbel – dort, wo die meisten Menschen im Hohlkreuz stehen. Dieses Energiezentrum steht im Zusammenhang mit den Nieren. Sind die Nieren energetisch stark und der „Mingmen“ aktiv werden Rückenbeschwerden, Hexenschuß oder ein schmerzender Ischias-Nerv der Vergangenheit angehören.

Nervensystem

Auch die Handlungsfähigkeit des Nervensystems ist von einer geraden Wirbelsäule abhängig. Das Nervensystem reguliert alle Lebensvorgänge wie Verdauung, Atmung, Stoffwechsel, Kreislauf, Ausscheidung, Drüsenarbeit usw. und regelt unsere Beziehung zur Umwelt. Eine schlechte Haltung beeinträchtigt auch die Funktionskraft des Nervensystems. Taijiquan wirkt noch von anderer Seite positiv auf unser Nervensystem. Die Nervenbahnen bedienen sich zum großen Teil der Muskelzellen. Die Fähigkeit, die Muskeln zu entspannen, ist förderlich für die Arbeit des Nervensystems. Ein Ausdruck dafür ist die enorm erhöhte Reaktionsfähigkeit des fortgeschrittenen Taiji – Schülers.

Knochen

Starke, aber entspannte Muskulatur und flexible Bänder und Sehnen bringen den Gelenke ihre ursprüngliche Bewegungsfreiheit zurück. Die Gelenke werden besser mit Flüssigkeit, Blut und Energie versorgt, was verletzte oder erkrankte Gelenke regenerieren lässt. Ein fortgeschrittener Taiji – Schüler lernt, sich auf „Knochenebene“ zu bewegen. Die einzelnen Knochen können erspürt und daher auch bewusst bewegt werden. Das hohe Energieniveau im gesamten Körper verändert auch die Knochen. Sie laden sich stärker mit Energie auf. Nach taoistischer Auffassung eignet sich das Knochenmark hervorragend als Energiespeicher. Mit einem speziellen Qigong kann das Knochenmark mit Qi aufgeladen werden. Die Knochen werden besser durchblutet und verjüngen sich, da sich das Knochenmark regenerieren kann. Knochenbrüche oder Osteoporose treten bei Taiji – Schülern sehr selten auf.

Die neue Körperstatik, die sich auch bei Alltagsbewegungen als nützlich erweist, vermeidet ein zu starkes, falsches Belasten von Gelenken oder der Wirbelsäule. Die Körperbewegung wird effizienter, geschmeidiger. Der Taiji – Praktizierende weiß, sich körperbewusst, ganzheitlich zu bewegen, weil ihm sein „Körpergedächtnis“ sagt, wie er am besten entspannt stehen und sich bewegen kann.

Wirkung auf die Organe

Taiji kreiert ein hohes Energie-Niveau im gesamten Körper. Daher fließt auch wesentlich mehr Qi im menschlichen Energiesystem. Durch gezielte Übungen werden einzelne Muskelgruppen gedehnt und gestärkt. Blockierte oder zu enge Meridiane können sich öffnen, aktiver werden und die inneren Organe mit mehr Energie versorgen. Die im Taiji praktizierte, entspannte Bauchatmung lockert das Zwerchfell, massiert die inneren Organe und stärkt deren Faszien. Im Taiji gibt es bestimmte Übung für die Beckenboden-Muskulatur, um das „Perineum“ (das Energiezentrum auf dem Damm, zwischen Anus und Sexualorgan) zu aktivieren. Eine starke Beckenboden-Muskulatur stützt und hebt die Inneren Organe. Die Darmtätigkeit wird angeregt. Den typischen Beschwerden bei Männern und Frauen im fortgeschritten Alter, wie z.B. Prostata-Leiden oder Senkung der Gebärmutter, kann mit einem Taiji – Training gut vorgebeugt werden.

Die energetische Harmonie der inneren Organe beeinflusst viele Funktionssystems im Körper positiv. Die Haare, Fuß- und Fingernägel wachsen besser. Die Haut wird geschmeidiger und verjüngt sich. Das Herz-Kreislauf-System regeneriert sich und wird leistungsfähiger.

Mentale und emotionale Auswirkungen

Die meditative Bewegung des Taijiquan erfordert einen freien Geist, frei von Gedanken und Absichten. Nach einiger Zeit des Übens wächst im Schüler ein innerer Rhythmus und ein Gefühl der Unabhängigkeit. Der Schüler lernt, die Erfahrung des Taiji – Unterrichts in seinen Alltag zu integrieren: bewusstes Entschleunigen des Alltags mit seinen Terminen und seinem Stress. Er lernt zuerst seinen Körper zu entspannen. Daraus wächst allmählich die Fähigkeit, Körper und Geist zu entspannen, bis der Schüler die Form entspannt und mit leerem Geist laufen kann. Diese Übung der „entspannten Konzentration“ trainiert das Konzentrationsvermögen. Es bleibt bis ins hohe Alter beachtlich gut. Ähnlich positve Auswirkungen hat Taiji auf das Gedächtnis. Das Gehirn wird durch Taiji ständig mit frischer Energie versorgt. Altes, verbrauchtes, „stagnierendes Qi“ wird abgeleitet („fließendes Wasser fault nicht“). Das hält das Gehirn jung, leistungsfähig und beugt einem Verfall des Kurzzeitgedächtnisses vor. Ein fortgeschrittener Schüler wird ruhiger und emotional ausgeglichener. Meine Schüler berichten mir oft, dass sie die Unterrichtsstunde besser gelaunt, wach und klar verlassen. Ein frei fließendes Energiesystem lässt auch Störungen wie Schlaflosigkeit zurückgehen. Der Schlaf wird tiefer und erholsamer.

Das System des Taijiquan und der taoistischen Meditation ist so umfassend, dass es für jede Körperregion, jedes Organ, jedes Sinnesorgan, jedes Energiezentrum usw. eine stärkende, öffnende, energetisierende Übung gibt.

TAIJIQUAN – KLINISCHE STUDIEN


Besserer Schlaf für Ältere durch Taiji (Studie aus dem Jahr 2004)
Regelmäßiges Tai Chi Üben verbessert das Einschlafen und den Schlaf bei älteren Menschen mit leichten Schlafproblemen.
Li F, Fisher KJ, Harmer P, Irbe D, Tearse RG, Weimer C. vom National Institutes of Health, National Institute of Mental Health.
Taijiquan – besserer Schlaf

Taiji ist gut für Herzpatienten (Studie aus dem Jahr 2011)
Nach der Studie verbessern regelmäßige Tai Chi Übungen das Wohlbefinden von Patienten mit Herz-Kreislauf-Problemen. Auch steigt das Selbstbewusstsein der Patienten. Gestärkt werden das Herz-Kreislauf-System, das Immunsystem und die Beweglichkeit des Körpers.
Medizinfakultät in Harvard, veröffentlicht im Wissenschaftsmagazin “Archives of Internal Medicine”

Taiji macht schlau
Das regelmäßige Tai Chi Üben vergrößert die Größe des Gehirns. Eine Studie von “University of South Florida und der Fudan University in Shangha” kommt zu diesem Ergebnis.
Taijiquan macht schlau

In den letzten Jahren ist die vielfache Wirkungskraft des Taijiquan auch wissenschaftlich belegt worden:

  • Positive Effekte auf das Herz-Kreislauf-System
  • Die Regulierung des Blutdrucks durch Taijii ist größer als die durch das aerobische Training (Channer, 1996).
  • Verbesserung der Atemfunktion
  • Stärkung des autonomen Nervensystems
  • Die Körperwahrnehmung verbessert sich, Halte- und Bewegungskraft sowie der Gleichgewichtssinn vergrößert bzw. verbessert sich
  • Größere Muskelkraft
  • Niedrigere Cholesterinwerte
  • Ein Taijii-Training mit älteren Menschen, führte zu signifikant weniger Angst zu fallen, als in der Vergleichsgruppe, die ein Wellness-Programm genoss
  • Positive Effekte auf das allgemeine Wohlbefinden
  • Positive Effekte bei Schlafstörungen
  • Weniger Gelenkschmerzen und -steifheit sowie verbesserte Balance und größere Muskelkraft bei Frauen nach einem 12-zwölfwöchigen Taiji-Training liefert eine Studie von Song, R. et. al. (2003).
  • Verbesserung der Lebensqualität bei Multipler Sklerose
  • Positive Effekte bei Parkinson
  • Verbesserung der Symptomatik und Lebensqualität bei Fibromyalgie
  • Rehabilitation nach Schlaganfall
  • Stressreduktion bei Schulkindern
  • Verlangsamung des Alterungsprozesses

Doktor- und Diplomarbeiten zu Taijiquan
Doktorarbeit an der Charité Berlin: Tai Chi Chuan: Stressreduzierende Effekte und ihre Nachhaltigkeit. Untersuchung in einem Anfängerkurs.
Charité Berlin

Diplomarbeit an der Uni Wien: „Gesundheitliche Auswirkungen von Taiji-Training, dargestellt anhand ausgewählter physiologischer Parameter“ von Grossmayer Lukas
Uni Wien

Doktorarbeit an der Uni Bern: „Taiji und Stressprotektion: Psychobiologische Untersuchungen“
Uni Bern

Taozentrum Frankfurt
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Fax: 069 60 60 99 47

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